Vorwort von Dagmar Havlová
Ebenso wie in den vergangenen zwölf Jahren freue ich mich auch dieses Jahr, Ihnen wieder den neuen Jahresbericht der Dagmar und Václav Havel Stiftung VIZE 97 präsentieren zu können, in dem Sie alles Wesentliche über unsere Tätigkeit im Jahr 2009 finden. Neben einer detaillierten Beschreibung der einzelnen Projekte, einer Übersicht unserer Aktivitäten und vielen Fotografien sind darin auch Einzelheiten über empfangene und gewährte Spenden und die wirtschaftliche Tätigkeit der Stiftung angeführt. Sämtliche veröffentlichten Zahlen unterlagen wiederum der strengen Rechnungsprüfung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Tschechische Republik a.s., mit der wir schon seit Gründung der Stiftung 1997 zusammenarbeiten.
Das vergangene Jahr war für die Stiftung vor allem dank unseres außergewöhnlichen Projekts zum 20. Jahrestag des politischen Umbruchs in der Tschechoslowakei und des Falls des Eisernen Vorhangs ein Ausnahmejahr. Aus Anlass dieses bedeutsamen Jubiläums beschlossen mein Gatte und ich, ein Konzert zu veranstalten, das wir nach einem Slogan der Novemberrevolution "Es ist soweit – Už je to tady" nannten. Unsere Einladung für das Konzert nahmen die virtuose Opernsängerin Renée Fleming, die Songwriterinnen Joan Baez und Suzanne Vega und der legendäre Rocksänger und Gitarrist Lou Reed an. In dieser Starbesetzung und begleitet von der Prager Kammerphilharmonie mit dem international bekannten Dirigenten Jiří Bělohlávek fand in Prague Crossroads ein einmaliges Konzert statt, das durch mehrere Ansprachen und Videogrußbotschaften von Persönlichkeiten aus der ganzen Welt ergänzt wurde. Trotz der sehr anspruchsvollen Vorbereitungen, die beinahe das ganze Jahr in Anspruch nahmen, glückte alles, und viele unter Ihnen konnten den Abend live mit uns in Prague Crossroads, im Tschechischen Fernsehen oder im Tschechischen Rundfunk verfolgen.
Doch selbst die zeitaufwändigen Konzertvorbereitungen haben die Arbeit an den übrigen Programmzielen der Stiftung in keiner Weise beeinträchtigt. In Prague Crossroads fanden wieder viele schöne Veranstaltungen statt, die dazu beitrugen, dass dieser außergewöhnliche Raum einer immer breiteren Öffentlichkeit ein Begriff ist. Ich freue mich sehr, dass wir letztes Jahr in Prague Crossroads Seine Heiligkeit den Dalai Lama begrüßen durften, der hier an einer von der Stiftung FORUM 2000 veranstalteten Konferenz teilnahm. Wie in den vorausgehenden Jahren gelang es uns auch 2009 wieder, die Vielzahl der Veranstaltungen mit der fortschreitenden Sanierung abzustimmen. So schritten die Restaurationsarbeiten an den schönen, einzigartigen Fresken deutlich voran, wie auch die Ausbesserungen der neuzeitlichen Elemente, die während der dritten, 2004 abgeschlossenen Sanierungsetappe angebracht worden waren. Wir bemühen uns weiterhin um ausreichende Finanzmittel für die Rekonstruktion des Dachs und der Fassade sowie die Fertigstellung der Restaurationsarbeiten.
Schon zum elften Mal übergaben wir am Geburtstag meines Gatten den VIZE 97-Preis, dieses Jahr an den tschechischen Geologen, Schriftsteller und Verfasser populärwissenschaftlicher Bücher RNDr. Václav Cílek, Csc. Ich bin überzeugt, dass Václav Cíleks geistreiche Rede anlässlich der feierlichen Preisübergabe nicht nur mir, sondern allen Gästen der Zeremonie lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Ihren vollständigen (tschechischen) Wortlaut können Sie auf unserer Webseite www.vize.cz nachlesen.
Außer dem VIZE 97-Preis haben wir vergangenes Jahr auch bereits zum fünften Mal die Würdigung für einen Beitrag zur Bildungsphilosophie und zur Erneuerung des universitären Gedankens verliehen. Träger der Würdigung war prof. MUDr. Zdeněk Mařatka, DrSc., ein renommierter Gastroenterologe, der letztes Jahr seinen 95. Geburtstag feierte. Trotz seines hohen Alters bezauberte er bei der Verleihung der Würdigung durch seine Vitalität und seinen Elan alle Mitglieder des Programmrates Unterstützung der Bildung. Umso betroffener machte mich bei der Vorbereitung dieses Jahresberichtes die Nachricht von Professor Mařatkas Hinscheiden. Es ist mir eine große Ehre, diesen brillanten Menschen kennengelernt zu haben, und es freut mich, dass wir gemeinsam mit den Mitgliedern des Programmrates der Bildungsförderung entschieden haben, die Würdigung im vorausgehenden Jahr gerade ihm zuzusprechen.
Professor Mařatka war nicht der einzige, den wir letztes Jahr innerhalb des Programms Unterstützung der Bildung förderten. Wir vergaben insgesamt zehn Stipendien an vielversprechende tschechische Studierende. Dieses Stipendium ist dazu bestimmt, ihnen das Studium an einer ausländischen Hochschule zu finanzieren.
Ferner führten wir im Jahre 2009 unsere Aufklärungskampagne im medizinischen Programm Frühdiagnose und Prävention von Dickdarm- und Enddarmkrebs weiter. Wie schon in früheren Jahren bemühten wir uns, Patienten davon zu überzeugen, ihre Gesundheit ernst zu nehmen und die Gefahr eines Krebsgeschwürs in Dick- und Enddarm nicht zu unterschätzen. Nachdem unser Programm schon einige Jahre läuft, können wir mit Bestimmtheit festhalten, dass es gelingt, jedes Jahr Hunderte Menschenleben zu retten – und die Zahl der Untersuchten nimmt laufend zu. Dies ist ein Erfolg, der mir sehr am Herzen liegt, und der mich darin bestärkt, das Programm entschlossen weiterzuführen und weiterhin zu versuchen, so viele Menschen wie möglich zu bewahren. Ein wichtiges Instrument, das uns bei unserem Bestreben hilft, die Öffentlichkeit über die Gefahr eines Dick- oder Enddarmkarzinoms zu informieren, ist das Fernsehen. Wir haben erreicht, dass unser Präventionsspot das ganze Jahr 2010 über im Tschechischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Das ist ein großer Erfolg für uns, und dem Tschechischen Fernsehen, das uns seit mehreren Jahren bei der Medienpräsenz unseres Präventionsprogramms unterstützt, gebührt dafür mein Dank.
Nicht zuletzt möchte ich noch unser soziales Programm Fonds für Verständnis erwähnen, in dessen Rahmen wir das ganze vergangene Jahr lang Hilfsanträge bearbeitet und gemeinsam mit den Mitgliedern des Programmrats beurteilt haben. Außer finanziellen Beiträgen und Sachspenden in Form von Geräten der Firma BSH Haushaltsgeräte konnten wir auch ein außergewöhnliches Geschenk machen – einen Kuraufenthalt auf den Kanarischen Inseln für 30 Senioren aus dem Heim des hl. Karl Borromäus in Prag-Řepy und den Vereinen LOGO und Leben ohne Barrieren, mit denen wir langfristig kooperieren. Den Aufenthalt der Senioren ermöglichte eine Sponsorenspende der Firma Canaria Travel, für die ich mich hiermit noch einmal bedanke, und ich hoffe, wir werden eine solche Aktion in Zukunft wiederholen können. Neben den oben genannten Aktivitäten haben wir noch viele weitere Projekte verwirklicht, die zwar weniger umfangreich sind, aber doch ebenfalls ihre Bedeutung haben. Mehr darüber können Sie beispielsweise im Kapitel „Aus dem Leben der Stiftung VIZE 97 im Jahr 2009“ nachlesen. Eine letzte Veranstaltung, die ich hier noch erwähnen möchte, war die Präsentation der Stiftung im Herbst 2009 an der Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin. Mit Unterstützung des Tschechischen Zentrums wurden dem deutschen Publikum die einzelnen Programme der Stiftung vorgestellt, unser Präventionsspot und ein kurzer Dokumentarfilm über die Stiftung von Martin Kubala gezeigt, beide können Sie sich auch auf unserer Webseite auf Tschechisch ansehen. Ich glaube fest daran, dass es uns dank solchen Veranstaltungen gelingt, das Spektrum unserer Partner und Sponsoren zu erweitern, um noch besser dort helfen zu können, wo es nötig ist.
Zum Abschluss möchte ich mich bei allen Mitgliedern des Vorstands und des Aufsichtsrats sowie bei den Mitgliedern aller Programmräte der Stiftung für ihre selbstlose Arbeit und Mithilfe bedanken. Des Weiteren danke ich allen unseren Sponsoren, ohne welche die Arbeit der Stiftung nicht möglich wäre, und den Freiwilligen, die uns bei verschiedenen Veranstaltungen bereitwillig helfen. Ich danke der Gesellschaft KPMG, die für die dringend nötige Zuverlässigkeit im Non-Profit-Bereich sorgt, und der Firma FASCO, die bereits mehrere Jahre lang die Buchhaltung für uns erledigt. Ich freue mich sehr, dass es immer noch viele Menschen gibt, denen das Schicksal der weniger glücklichen Menschen, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind, nicht gleichgültig ist.
Ihre
Dagmar Havlová
